Aus der Forschung

Von Farnen und Affen: Botanische Feldarbeit in Uganda

Semliki Nationalpark Uganda
Kaum 2 km von der Grenze des Kongos entfernt suchen wir im Semliki Nationalpark (700 m) nach Moosen und Farnen.

Von Michael Kessler, wissenschaftlicher Kurator

Tropische Gebirge weisen die höchste Pflanzendiversität aller terrestrischen Lebensräume auf. Aber wie ist diese Vielfalt entstanden? Um dieser Frage nachzugehen, untersuchte ich zusammen mit einem Team von Botanikern der Universitäten Zürich und Bonn die Zusammensetzung und Phylogenie von Moos- und Farngemeinschaften an drei Höhengradienten in Äquatornähe: Neuguinea, Ecuador und Uganda.

Nach Jahrzehnten innerer Unruhen und negativer Schlagzeilen in der internationalen Presse – von Idi Amin bis Aids – hat sich die gesellschaftliche Situation in Uganda in den letzten Jahren stabilisiert. Heute ist es ein sicheres Land in dem man, von einer gewissen Spontaneität beim Organisieren mal abgesehen, problemlos reisen kann. Schwierig allerdings ist es, die nötigen Forschungs- und Sammelgenehmigungen zu bekommen, und obwohl wir ein Jahr vor Anreise mit den Verfahren begannen, war selbst am Tag nach unserer Ankunft in Kampala im Februar 2014 noch unklar, ob wir überhaupt würden sammeln dürfen. Glücklicherweise gab uns das Forschungsministerium nach zwei Tagen grünes Licht und endlich konnte es losgehen.

Das Ziel und die Herausforderungen

Grenzlinie Bwindi Nationalpark Uganda
Naturwald kommt in Uganda heute nur noch in Schutzgebieten vor, während der Rest des Landes dicht besidelt ist. Hier die Grenze des Bwindi-Nationalparks.

Ziel der Reise war es, einen Höhengradienten zwischen 700 m und 3300 m zu untersuchen. Die grosse Herausforderung in Uganda ist, dass Wälder nur in kleinen Relikten, ausschliesslich in Schutzgebieten, vorkommen. Die meisten dieser Wälder decken nur eine geringe Höhenspanne ab und deshalb mussten wir unser Höhentransekt aus fünf Waldgebieten zusammenstückeln. Das wiederum führte zu Lücken im Transekt und teils sprunghaften Übergängen. Aber in Afrika gibt es nun mal keine grossen Gebirge, die Wälder vom Tiefland bis zur Waldgrenze aufweisen.

Das Ziel und die Herausforderungen

Gesammelte Feldproben
Den grössten Teil des Tages wird fgesammelt. Abends werden die Proben weiterbearbeitet. Das Bild zeigt die Ausbeute eines Tages.

Mit dabei waren je fünf Moos- und Farnspezialisten aus vier Ländern (Schweiz, Deutschland, Singapur und Uganda). Unser typischer Tagesablauf bestand darin, den Grossteil des Tages im Wald zu verbringen und auf Flächen von 20 m x 20 m alle Moos- und Farnarten zu sammeln und Daten zur Abundanz und Ökologie der Arten zu erheben. Abends wurden dann die Proben bearbeitet, Herbar- und Genbelege genommen.

Insgesamt haben wir etwa 130 Farnarten und knapp doppelt soviele Moosarten gesammelt. Afrika ist bekannt für die im Vergleich zu Amerika und Asien geringe Diversität von Moosen und Farnen, Dementsprechend wenige Arten haben wir auf den Flächen gefunden, zum Beispiel maximal 32 Farnarten pro 400 m2. Zum Vergleich: In Ecuador und Neuguinea existieren bis zu 85 Arten. Die verhältnismässig geringe Artenvielfalt in unseren Untersuchungsgebieten in Uganda ist vermutlich ein Ergebnis der geringen Gebirgsfläche und des grossflächig trockenen Klimas.

Genau dies ist aber für unsere Studie von Interesse:

  • Wie schlägt sich diese geringen Diversität in der Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaften nieder?
  • Sind einzelne Arten in Afrika beispielsweise häufiger als in Amerika und Asien weil es weniger Konkurrenz gibt?

Spannende Tierwelt

Gorilla und Botaniker
Wenn Botaniker und Gorillas sich begegnen…

Am spannendsten im Feld war aber die Fauna: Kein Tag verging, ohne dass wir Affen begegneten, insgesamt 16 Arten. Manchmal waren auch Elefanten im Wald unterwegs und dann wurden wir von den Parkrangern schnellstmöglich in die entgegengesetzte Richtung gebracht: Waldelefanten sind nach Jahrzehnten der Elfenbein-Wilderei sehr aggressiv geworden.

Der zoologische Höhepunkt war zweifellos aber die eine Stunde, die wir mir einer dreizehnköpfigen Gorillafamilie verbringen durften. In wenigen Metern Entfernung liessen sie sich von uns überhaupt nicht beeindrucken und gingen ihrem Alltagsleben (Fressen, Schlafen, Spielen) nach. Für eine Weile waren die Pflanzen komplett vergessen…

Gesammeltes Pflanzenmaterial

Erika mit Flechten und Moosen bewachsen
Auf 3300 m stehen nur noch niedrige Erica-Bäumchen, die von Flechten und Moosen überwuchert sind.

Mittlerweile sind alle gesammelten Proben im Labor sequenziert worden. Der nächste Schritt besteht darin, die ökologischen Felddaten mit den Phylogenien (Abstammungsgeschichte) zu verknüpfen um herauszuarbeiten, wie die Pflanzengemeinschaften evolviert sind. Da diese Auswertung aber gemeinsam mit den Daten aus Neuguinea und Ecuador geschehen soll, müssen wir noch ein wenig warten. Diese Reisen sind zwar ebenfalls abgeschlossen, die Proben liegen aber noch im Labor.